DER WILDE WESTERN. Demontage eines mythischen Genres
Forty Guns
Samuel Fuller, USA 1957; 79' E/d
Mit Barbara Stanwyck, Barry Sullivan, Dean Jagger, John Ericson, Gene Barry, Robert Dix, Jidge Carroll, Paul Dubov, Gerald Milton, Ziva Rodann
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«Anders als viele Western, benennt Samuel Fullers ‹Forty Guns› genau Ort und Zeit der Handlung. Die Zeit ist 1881, der Ort Arizona, damals noch ‹territory› – zum Bundesstaat wurde es erst dreissig Jahre später –, gesetzloses Land. Hier regiert die Viehbaronin Jessica Drummond, eine Zuchtmeisterin in schwarzem Leder, vom Town-Crooner besungen als ‹high riding woman with a whip›, mit ihrer Leibgarde, den ‹forty guns›. Keiner konnte sie zähmen, heisst es im Kinotrailer von 1957, bis der Mann kam, der sie mit dem Revolver küsste …
Für die Hauptrolle interessierte sich laut Fuller sogar Marilyn Monroe. Mit vierzig Männern durchs Land zu reiten, die anonyme Leibwächter und seelenlose Liebhaber zugleich sind, hätte der Monroe wohl gefallen. Aber natürlich konnte nur Hollywoods zwiespältigste Heldin seit den frühen Dreissigerjahren für diese bizarre Rolle in Frage kommen: die einzigartige Barbara Stanwyck. Ihre Zähmung ist die grosse Metapher für die Domestizierung des Westens, das letzte Duell zwischen zweien, die wissen, dass ihre Zeit vorbei ist – es gibt nichts mehr zu zähmen ausser die eigene Wildheit, sagt Barbara Stanwycks Jessica. Wegen seiner erbarmungslos harten Fügungen und seiner morbiden Sexualität wurde der in Schwarzweiss und Cinemascope gedrehte Film seinerzeit kein Erfolg in den USA. In Frankreich aber haben die jungen Leute der Nouvelle Vague Fullers amoralischen Avantgarde-Western als kühnes modernes Kino gefeiert.» (Christopher Schmidt) Wir zeigen eine äusserst rare Archivkopie (Freitag bis Sonntag) mit speziell für diese Vorstellungen angefertigten deutschen Untertiteln. Nicht verpassen!
Archiv April 2008