Dokfilm: Premiere Oceanul Mare
Oceanul Mare
Katharina Copony, Österreich 2009; 80' OV/d
Mit Shen Xiaoming, Li Jianhua, Liu Yuexia
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Katharina Copony schildert in «Oceanul Mare» (Grosser Ozean) den Lebensweg von drei chinesischen ImmigrantInnen, die Anfang der Neunzigerjahre nach Bukarest gekommen sind. Die Kamera folgt in ruhigen, konzentrierten Einstellungen den beruflichen und privaten Aktivitäten der drei Hauptfiguren. Die zwei Männer und die Frau gehen aufmerksam und besonnen ihren alltäglichen Verrichtungen nach, sei es beim Inspizieren der Räumlichkeiten für ein neues Büro, dem Layouten und Drucken einer chinesischen Zeitung oder beim Begutachten der Waren und Verkaufsstände auf dem grössten chinesischen Markt Europas. Präzise wird die urbane und soziale Realität der AsiatInnen in einem Land eingefangen, das für sich genommen bereits von verschiedenen kulturellen Einflüssen an der Schnittstelle von Okzident und Orient geprägt ist. Doch das intakt wirkende soziale Leben ist kein Paradies. Ganz ohne dramatische Inszenierungen erfahren wir – zumeist durch eine Off-Stimme – von der Kehrseite des Erfolg versprechenden Lebens: Macht- und Revierkämpfe haben Brandstiftung und Mord zur Folge.
In «Oceanul Mare» erscheint das Meer als Metapher. Unvermittelt öffnet sich der Blick auf eine graue, endlose Weite. Zum Rauschen der Wellen erzählt eine Stimme vom Risiko beziehungsweise von der existenziellen Verlorenheit, die das Leben und Überleben in der Fremde mit sich bringen kann. (Thomas Groetz)
Der Film wurde 2009 mit dem 3Sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Film ausgezeichnet. Aus der Begründung der Jury: «Bei «Oceanul Mare» korrespondieren in bestechender Weise formale Strategien und thematischer Zugang. Eine herausragende Gegenwartsreflexion, die gleichwohl Zukunftsperspektiven öffnet.»
Archiv Mai 2010