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OPEN AIR: Ab ans Mittelmeer!
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Ausatmen und abschweifen
Die neu gestaltete Xenix-Baracke wurde mit ihren beiden geneigten Kaminen auch schon mit einem Schiff verglichen. Und mit etwas Vorstellungskraft lässt sich der grosse Kiesplatz auf dem Kanzleiareal als weiter Sandstrand denken, auf dem die Kastanien – piniengleich – lauschigen Schatten spenden.
«Ab ans Mittelmeer!» lautet unser diesjähriges Open-Air-Motto für alle in Zürich gebliebenen, aus dem Süden zurückgekehrten oder bald in die Ferien fahrenden Meer-Sehnsüchtigen. Die ausgewählten Filme führen nach Saint-Tropez, Nizza, Capri, Stromboli, Tunis, Algier, an die türkische Ägäis oder auf die Kykladen. Dass die Liebe vor dem Hintergrund von Sonne, Strand und Meer eine grosse Rolle spielt, liegt auf der Hand: archaisch in Orson Welles’ Shakespeare-Eifersuchtsdrama OTHELLO, THE MOOR OF VENICE, leidenschaftlich in Emanuele Crialeses RESPIRO, Roberto Rossellinis STROMBOLI und Julio Medems LUCÍA Y EL SEXO oder mit viel feiner bis hinterhältiger Ironie in Eric Rohmers LA COLLECTIONNEUSE, Jean-Luc Godards PIERROT LE FOU und in Wes Andersons THE LIFE AQUATIC WITH STEVE ZISSOU.
Mediterrane Düfte verbreitet dazu unsere Sommerküche «Ässwält», die bei schönem Wetter jeweils ab 18.00 Uhr südliche Spezialitäten mit dem dazu passenden Glas Wein (von der Xenix-Bar) auftischt. Zum Auftakt des Open Airs am 13. Juli spielt die Band Domino (Remo Crivelli und seine beiden Begleitmusiker).
Alles nur mittelschwer am Mittelmeer
Er schaute aufs Meer, die Augen halb geschlossen, weil es so blendete, so hell war, so gelb, das Licht, diese Mittelmeersonne des frühen Abends, diese gelbe, warme, liebe Glut, die sich in den Kopf und ins Gefühl hineingleisst, mit halb geschlossenen Augen aufs Meer schauen, dachte er, warum gibts dafür eigentlich kein Wort, so etwas wie ... gneelen oder so würde passen, die Halbgeschlossenheit von gn und die Weite, das Horizonthafte von ee, überlegte er faul vor Wohlbehagen, als er mit halb geschlossenen Augen aufs Meer schaute, ja, dachte er, dieses Schauen hätte wirklich ein eigenes Wort verdient.
Dort draussen, es glänzte, flimmerte, flirrte, glitzerte, ab und zu ein Vogel, sonst nichts und es hörte einfach nicht auf, weder nach oben noch nach unten, noch nach hinten links, rechts, es hörte nicht auf und es ging immer weiter, und wenn man da draussen wäre, hinter dem Horizont, dann wäre man eigentlich gar nicht mehr auf dieser Welt, dachte er, dann wäre man ein bisschen tot, und auch wenn man quicklebendig auf einer Luxusjacht sitzen würde, dachte er, trotzdem irgendwie nicht mehr existent.
Das fand er ziemlich philosophisch, am Meer schweifen halt die Gedanken so schön, dachte er, es stimmt schon, hier kommen einem die guten Ideen, wenn man so sitzt und die Sonne leckt einen ab und vor einem steht Rotwein und es riecht faulig süss und nach Pinien oder so, durchzogen von Kochgerüchen, es stimmt schon, hier kommt man zu sich, zu einander, das Gedankenschweifen geht hier vielleicht halt so gut, weil einem mal nichts im Weg steht, keine Häuser, Berge, nichts, und dann sah er seine Gedanken, farbige Nebelschlieren, übers Meer schweifen und dann dachte er, hallo, jetzt wirds aber ein bisschen lächerlich, hier.
Und dann sah er die Luxusjacht, ein krasses Ding, zum Verlaufen gross, eine weisse, strahlende Insel mit riesigen LCD-Bildschirmen und viel Gold und dunklem Holz und Tausende Kissen und Liegeflächen und dann sah er, wie er auf dem obersten Deck eine Frau von hinten nimmt und dabei über die endlose Fläche Wasser ... gneelt und wie das gelbe, liebe Licht sich in ihren Haaren verkriecht und sie ganz warm und ihre Haut golden macht.
Dann nahm er einen Schluck Rotwein, drehte er den Kopf ein bisschen und öffnete die Augen ein bisschen und schaute sie an, und auch sie schien aufs Meer zu schauen, aber ihre Augen waren ganz zu.
Er gneelte wieder und sah sie und sich in einem Hotelzimmer, irgendwie schäbig und doch edel, sie liegt nackt auf dem weissen Bett, auf dem Bauch, und liest, die Knie angewinkelt, mit den Füssen in der Luft, eine Stellung, die er immer sehr gern mochte, weil ihr Hintern dann so rund wird, er sah auch sich, in Badehosen in einem Sessel sitzend und rauchend und sie anschauend, neben ihm bauscht sich ein langer, weisser Vorhang durch die offene Balkontür ins Zimmer und draussen klirrt Geschirr und lachen Kinder und hinter allem rauscht das Meer, und das hab ich wohl aus irgendwelchen Filmen, dachte er, vor allem das mit dem Vorhang, und dann sah er, wie er sie auf dem Balkon nimmt, sie ihn umklammernd, ihn in die Schulter beissend, er an ihrem Kopf vorbei aufs Meer schauend, nicht gneelend, denn es ist Nacht, dann sah er sie und sich, wie sie am Strand, im Sand rumbalgen, sich mit einigem Anlauf gegenseitig lachend zu Fall bringen, irgendwann küssend rumrollen, liegen bleiben, und er dachte, meine Güte, Musikvideo aus den Achtzigern oder was, dann sah er sie und sich beim Essen, spät in der Nacht, mit einer Kerze auf dem Tisch und dem Essen dieser Gegend, das er immer irgendwie unverschämt fand, irgendwie frivol, so sinnlich und direkt, und er dachte: Vielleicht wird ja doch wieder alles gut. Es war das erste Mal seit langem, dass er das dachte, und es rührte ihn. Vielleicht wird ja doch wieder alles gut, so wie früher, noch besser vielleicht, vielleicht werden wir doch alt zusammen, vielleicht hört es nie auf, vielleicht geht es immer weiter, vielleicht sitzen wir irgendwann, schrumpelig, aber für die Ewigkeit eingeschworene Partner, wieder hier und gneelen zusammen aufs Meer.
Aber sie gneelte ja gar nicht. Sie war ein bisschen runtergerutscht im Stuhl, der übrigens sehr bequem war, so einer mit Sitz- und Rückenfläche aus Plastikschnüren, diese Urlaubsstühle, da sass sie also, runtergesunken, ein bisschen wie im Kino, eine komische Haltung, am Meer und schaute nicht. Es hätte dieses geniesserische Nichtschauen am Meer sein können, dieses Die-Sonne-aufs-Gesicht-scheinen-lassen-das-Meer-riechen-das-Meer-hören-
die-salzige-Luft-durch-den-Rotweingeschmack-im-Mund-ziehen-Lassen, aber er wusste, es war nur Nichtschauen.
Er nahm ihre Hand und führte sie an den Strand hinunter. Vielleicht, dachte er, hilft uns nur noch die Lächerlichkeit von Achtziger-Musikvideos. Man sollte es nicht unversucht lassen.
Dann merkte er, dass es ein Kiesstrand war.
Er blieb einige Sekunden stehen und dachte nach. Dann holte er Anlauf. (Michèle Roten)
Das Xenix-Open-Air findet vom 13. Juli bis zum 18. August am Mittwoch, Freitag und Samstag statt – bei schlechtem Wetter mit jeweils zwei Vorstellungen im Kinosaal. Die genauen Spielzeiten entnehmt ihr den entsprechenden Filmseiten. Verbindliche Auskunft über die Durchführung der Freiluftvorführungen geben ab 18.30 Uhr die Startseite sowie unsere Open-Air-Hotline 044 242 04 11. Wer über SMS informiert werden möchte, sendet das Wort xenix an die Nummer 22002 (ohne Vorwahl) und wird automatisch mit unserem Wetter-Entscheid beliefert. Billette können problemlos an unserer Abendkasse ab 18.30 Uhr gelöst werden – es gibt genügend Tickets für alle! (Eintrittspreise: Fr. 18.– / Mitglieder Fr. 12.–)