«Nix ist unmöglich »
20 min im Mai 2005
Ein Kind aus der AJZ-Bewegung wird 25 Jahre alt: Am kommenden Wochenende
steigt im Xenix beim Kanzlei die ganz grosse Geburtstagssause.
Die popkulturelle Zeitrechnung beginnt in Zürich erst 1980. Zuvor gabs
nichts. Ausser einem Limmatquai, an dem die Jugendlichen rumhingen und sich
die falschen Drogen einschmissen.
Dann kam das AJZ und damit auch ein Kino, das später einmal Xenix heissen
sollte, was nichts anderes als «Ich seh nichts» bedeutet. Nach einigen
Umzügen in der City kam das Kino Xenix 1984 schliesslich auf dem
Kanzleiareal zur Ruhe und ist dort zu einem festen Zürcher Kulturstandort
geworden. In den Jahren 2000 und 2002 bekam es sogar den Kulturpreis des
Kantons Zürichs verliehen.
Das unabhängige Programmkino hat jährlich zwischen 30 000 und 36 000
Zuschauer – bei nur 105 Sitzplätzen eine grossartige Auslastung. Davon
können die meisten Betreiber von Kinokomplexen nur träumen und schauen
neidisch auf das Xenix herab. Denn aus dem kleinen Verein, für den am Anfang
alle ehrenamtlich arbeiteten, ist ein Unternehmen entstanden, das jährlich
2,2 Millionen Franken umsetzt und 1500 Stellenprozente geschaffen hat.
Für den wirtschaftlichen Erfolg ist vor allem ein Mann verantwortlich: Eric
Staub, 46 Jahre alt und schon fast 20 Jahre im Xenix-Team dabei:
Das Xenix ist ein Programmkino, das Erfolg hat. Ist da was schief gelaufen?
Eric Staub: Im Gegenteil. Es ist nicht einfach, mit Filmen Geld zu
verdienen. Aber die verantwortliche Film-Programmgruppe achtet nicht nur auf
künstlerischen Wert, sondern auch auf ökonomische Aspekte.
Wird das Xenix subventioniert?
Nur der Filmclub wird mit jährlich 100 000 Franken unterstützt – trotzdem
müssen wir viele kaufmännische Entscheidungen treffen.
Zum Beispiel Popcorn für die Zuschauer?
Auf keinen Fall. Popcorn stinkt und verursacht eine unglaubliche
Schweinerei. Ausserdem sind wir kein Teenagerkino. Und ich kenne keinen
Vierzigjährigen, der Popcorn isst.
Ausser im Cinemax.
Ich war schon lange nicht mehr im Cinemax. Das letzte Mal bei einem
James-Bond-Film. Ich habe kaum Zeit, ins Kino zu gehen. Und leider auch viel
zu wenig für Festival-Besuche.
Im Moment findet gerade Cannes statt, ein A-Festival. Warst du schon mal
dort?
Natürlich. Es war sehr interessant, das ganze Drum und Dran einmal
miterleben zu können – auch wenn ich kleinere Festivals wie jenes in Nyon
lieber mag.
Was sind denn deine Lieblingsfilme?
Davon gibts halt schon sehr viele. «Sans soleil» zum Beispiel von Chris
Marker. Aber auch ältere Filme wie «Spartacus», den wir beim diesjährigen
Open Air auf der grossen Leinwand zeigen. Das ist einmalig! Das gesamte
Programm zum 25-jährigen Jubiläum wird aber auch ganz toll.
Jürg Zentner
Kino Xenix, Kanzleistrasse 56, 8004 Zürich. www.xenix.ch
