Zürichexpress, 19. April 2000
Der Verein Filmclub Xenix begeht sein 20-Jahr-Jubiläum. Geschäftsführer Eric Staub äussert sich zu dessen bewegter Geschichte und den Festanlässen.
1980, zur Zeit der Jugendunruhen, hatte eine verschworene Gruppe die Idee, alternatives Themenkino zu machen. Das autonome Jugendszentrum AJZ war seine erste Unterkunft - und die Geburtstätte des Xenix, welches damals noch AJZ-Kino hiess.
Als das AJZ 1982 geschlossen und 'entfernt' wurde, kam das Xenix - es hat seinen Namen einer Amsterdamer Filmstätte entliehen - in einer Liegenschaft am Tessinerplatz unter. Acht Monate später wurde auch dieses Gebäude abgerissen, und nach einjährigen Intermezzo im Kino Walche fand die Odyssee im Mai 1984 ein Ende. Die ehemalige Kindergartenbaracke auf dem Kanzleiareal wurde zur neuen Heimat des Off-Kinos.
Beeindruckende Zahlen
Bereits zu jener Zeit zeichnete sich das
Xenix'sche Filmprogramm durch jene Qualitäten aus, die es auch heute noch zu
labenden Oase für jene cinephilen Menschen macht, die mit dem grossen
Happyendkiste nicht glücklich werden: Unbekannte Regisseure wurden vorgestellt,
Lowbudget- und Experimentalfilme präsentiert.
Eric Staub war von Beginn an regelmässiger Besucher des Off-Kinos. 'Eines Tages fragte ich, ob ich mithelfen könnte, und bereits am nächsten Abend hatte ich mein erstes Engagement im Reinigungsteam.' Das war 1984. Von da an hat er alle Stationen durchlaufen, den Ausbau des Betriebes mitgestaltet, bis er zusammen mit Lisa Rössler im Dezember 1988 die Geschäftsleitung des Vereins Filmclub Xenix übernahm.
Die Zahlen unterstreichen, dass das Xenix-Team einen guten Job macht: 1999 empfing das Kino 35 000 Besucher, der ganze Betrieb erarbeitete einen Umsatz von 1,4 Millionen Franken. Dies ist umso erstaunlicher, als das Xenix mit einem jährlichen Subventionensbeitrag von 70 000 Franken auskommen muss. Diese finanzielle 'Not' machte erfinderisch. Man hat begonnen, das Equipment an kleinere Veranstalter auszumieten, zu Randzeiten wird das Kino vermietet, und vor allem die gesteigerte Attraktivität der Bar hat einen schönen Zustupf gebracht.
Das stetige Wachstum desXenix hat natürlich auch professionelle Strukturen nach sich gezogen. Der 'Improvisationsbetrieb, in dem alle alles machten', ist einem klar gegliederten Kleinunternehmen gewichen. Staub weiss aber, dass die Mitarbeiter auch heute noch viel Idealismus und Liebe zum Metier benötigen: 'Banklöhne gibt es bei uns nicht zu verdienen.'
Liebe und Leidenschaft prägen auch das Jubiläumsprogramm. Jeden Monat darf jemand aus dem Team einen Wunschfilm programmieren. Am 5. Juli findet ein Son-Konzert mit dem Septeto Nacional Ignacio Pineiro statt, drei Wochen später wird ein Stummfilmprogramm live von zwei DJs mit elektronischen Klängen untermalt. Der Höhepunkt aber ist das Fest am 4. August, zu welchem das Kanzleiareal in einen multimedialen Garten umfunktionniert wird.
Und wie sehen die Zukunftspläne des Xenix aus ? 'Wir würden gerne ausbauen', sagt Staub augenzwinkernd, 'auch aus ökonomischen Gründen.' genauso wichtig wie das Wunschdenken ist dem Geschäftsführer jedoch die Realität. Und für diese hofft er, dass die cineastische Liebesgeschichte namens Xenix noch lange kein Ende finden wird.
Thomas Wyss
