Fussball ist heute zu einem grossen Teil Abbildung. Verglichen mit der Masse, die Fussballspiele am Fernsehen verfolgt, sind die Besucherinnen und Besucher in den Stadien eine verschwindend kleine Minderheit. Die Entwicklung vom authentischen Erlebnis hin zur virtualisierten Show begann mit den ersten TV-Übertragungen vor rund fünfzig Jahren und scheint heute an einem Punkt angelangt, der nicht bloss die Grenze des Wachstums bedeutet, sondern in vielen Ländern die Profiligen und -vereine in ihrer Existenz ernsthaft bedroht. Das Produkt Fussball schien privaten Fernsehstationen so attraktiv, dass sie seit Beginn der 90er Jahre immer höhere Beträge zu zahlen bereit waren, um an die Übertragungsrechte der Liga-Spiele zu kommen. Anfangs fanden das alle gut: Fussballfans, weil die etwas angestaubten Sportsendungen der Öffentlich-Rechtlichen endlich Konkurrenz bekamen, Fussballverbände, weil sie als zentrale Vermarkter ihrer Ligen plötzlich horrende Geldbeträge zu Verfügung hatten, und Vereine, weil sie ihr Jahresbudget dank TV-Geldern ohne besondere Anstrengungen um viele Millionen erhöhen konnten. Die Mehreinnahmen kamen letztlich den Spielern zugute, denn plötzlich hatten zahreiche Klubs die Mittel, um um ihre Gunst zu buhlen und ihnen Verträge mit unverschämten Salärangeboten zu unterbreiten. Halbwegs talentierte Fussballer vom Zuschnitt eines Ramon Vega verdienten in England plötzlich wöchentlich fünfstellige Pfundbeträge, und um Spitzenspieler aus ihren Verträgen freizukaufen, wurden bald dreistellige Millionenbeträge zwischen den Klubs hin- und hergeschoben. Doch nun gerät das System ins Wanken.
In den grössten Ligen Europas schreiben Pay-TV-Stationen dunkelrote Zahlen, weil Fussballfans für von Medienprofis aufgepäppelte Durchschnittsspiele eben doch nicht bedingungslos zahlen wollen. Medienunternehmen wie Kirch in Deutschland droht der Kollaps, und weil die TV-Gelder mittlerweile den grössten Budgetposten der Bundesliga-Vereine ausmachen und die Abhängigkeit der Klubs vom Fernsehen enorm ist, hätte ein Konkurs von Kirch für die Bundesliga dramatische Folgen. Die Beispiele liessen sich beliebig weiterführen, das Prinzip jedoch bleibt dasselbe: Der Markt für virtualisierten Fussball hat sich zur Überraschung einiger Medienmogule als nicht grenzenlos erwiesen. Möglich, dass der drohende Zusammenbruch dieser leichtsinnigen Fussball-TV-Partnerschaft die Verhältnisse in den Vereinen und Ligen wieder etwas zurechtrückt - wünschenswert wäre es allemal angesichts zunehmend verhätschelter Profispieler und immer einfältigeren TV-Moderatoren.
Das Geschäft mit der Abbildung des Fussballs hat dem Fussball nicht nur Gutes gebracht. Da fragt sich, ob eine Reihe mit Fussballfilmen als WM-Warm-up nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer giesst, geht es doch auch hier um Versuche, die Welt des runden Leders in irgendeiner Form in laufende Bilder zu verwandeln. Man darf entwarnen: Zu marginal ist das Genre des Fussballfilms, um ernsthaft Schaden anzurichten. Zu marginal, aber doch nicht zu verachten, was diese Auswahl an komischen, kritischen und überraschenden Filmen beweist.
Zyklus: Fussballfilme - Auftakt zur WM 02
Filme in diesem Zyklus:
Der Ball ist ein Sauhund / Vorprogramm: British Football Shorts |
Dynamo Kiew - Legende einer Fussballmannschaft / Vorfilm: Gömmer |
Elf Freunde / Vorfilm: Le terrain |
Escape to Victory |
Evita capitana / Vorfilm: Remember Diego |
Fever Pitch |
Frankreich, wir kommen! |
Die letzten Schlachtgesänge / Vorfilm: Fusion |
Nordkurve |
Phörpa - Spiel der Götter |
There's Only One Jimmy Grimble |
Ultrà
[http://www.xenix.ch] 21-4-02