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Japanische Filme der 90er Jahre Japanisches Kino - heute / Themen und Filme
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Im Reich der Zeichen Donald Richie
Filmproduktion in Japan ist nicht viel anders als in anderen Ländern, mit dem einen Unterschied, dass das konservative Japan etwas hinterherhinkt. Als in den fünfziger Jahren in Europa und Amerika das Fernsehen dem Kino Konkurrenz zu machen begann, waren es die unabhängigen Produktionen, die die Kosten niedrig halten und dennoch den Vertrieb sicherstellen konnten. In Japan hingegen fuhren die grossen Studios auf der alten Produktionsschiene weiter bis hinein in die sechziger Jahre. Diese Entwicklung hat sich bis heute bewährt, und in der Tat haben die meisten interessanten Jungregisseure nie für einen der noch bestehenden Filmgiganten gearbeitet. Dies hat allerdings nicht nur positive Auswirkungen. Als die grossen Firmen noch das Produktionsmonopol innehatten, fungierten sie zum Beispiel auch als Filmschule für Nachwuchsregisseure. Den heutigen Jungregisseuren und Nachwuchstalenten stehen bis auf Imamura's kleine aber brilliante Filmschule keine solchen Institutionen mehr offen, und sie müssen sich Technik und Stil als Autodidakten aneignen. Viele haben deswegen versucht beim Fernsehen zu lernen, einige haben in der Sexfilmbranche gearbeitet, und wieder andere sind ins Ausland gegangen. Ein Ergebnis dieser Entwicklung sind Unkenntnisse in Filmstil, was zu ästhetischen Fehlkalkulationen führt. Andererseits wiederum kann sich so absolute Originalität entfalten. Eins ist sicher, der junge Regisseur von heute ist direkt von dem inspiriert, was er sieht, ob das nun ein Film von Robert Bresson ist oder von Quentin Tarantino. Für die neunziger Jahre können wir eine kontinuierliche Stärke des unabhängigen künstlerischen Films konstatieren, einer Art von Filmen, die sich nicht mit weichzeichnenden Klischees aufhalten, sondern zu informieren trachten, auch auf die Gefahr hin, dass sie den Zuschauer verstören. Aber es hat sich ebenfalls ein unabhängiger Unterhaltungssektor etablieren können. Beide Phänomene, einerseits 'Neue Welle', andererseits 'Neuer Mainstream' (und natürlich auch die Filme, die irgendwo dazwischen liegen) sind in einen Überblick über den Japanischen Film der 90er Jahre notwendigerweise einzubeziehen.
Die Filme von Kitano 'Beat' Takeshi, einem Regisseur, der sich eher an Tarantino als an Bresson orientiert, haben enormen Erfolg in Japan. Zum Teil ist das sicher darauf zurückzuführen, dass sie ein altes Studiogenre, den Gangsterfilm, neu interpretieren. Kitanos Filme haben einen modernen Look, verunsichern aber nicht, und obwohl er sie finanziell unabhängig produziert hat, sind sie vom künstlerischen Standpunkt her konventionell.
Andere Filmemacher sind mehr darauf bedacht, einen eigenen Stil zu finden, der glaubhaft transportiert was sie ausdrücken wollen. Sai Yoichi verwirft in Verlaufe von Tsuki Wa Docchi Ni Deteiru absichtlich all die kommerziellen Werte, denen er einleitend huldigt. Isaka Satoshi benutzt in Focus die Mittel des Fernsehens, um es anzuprangern. In 'Okaeri' von Shinozaki Makoto verschmelzen Form und Inhalt. Suwa Nobuhiro gibt in 2 Duo sein Drehbuch im Ringen um mehr Authentizität auf. Watanabe Fumiki macht sich in Bari.Zogon dezidiert daran, die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation zu verwischen.
Mit dieser Produktionsentwicklung sind wir im Westen wohlvertraut. Die Filme von Peter Greenaway auf der einen und Derek Jarman auf der anderen Seite müssen um ein Publikum ringen, das verglichen mit dem des Fernsehens eine Minorität darstellt. In Japan jedenfalls gibt es noch ein Publikum, wie klein auch immer, das sich für Filme interessiert, die die Werte des Regisseurs repräsentieren und nicht die des Marktes. Ich halte das für ein Zeichen der Vitalität des japanischen Films. *Donald Richie ist eine der führenden Autoritäten im Bereich des japanischen Films. Der Autor von Büchern wie 'The Films of Akira Kurosawa' (1984), 'Ozu' (1974), und vor allem des Standardwerkes 'The Japanese Film: Art and Industry' (erweiterte Ausgabe 1982), das er mit Joseph L. Anderson als Ko-Autor verfasst hat, hat mehr als die Hälfte seines Lebens in Tokio verbracht. Er lehrt und schreibt nach wie vor über den japanischen Film. |
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