![]() Carlos Saura, geboren 1932, wächst während des spanischen
Bürgerkrieges in Madrid, Valencia und Barcelona auf. Nach dem Abitur
studiert er Ingenieurwesen, beschäftigt sich aber bereits während
des Studiums intensiv mit Fotografie und Kunst. 1953 beginnt er ein Regiestudium
an der 1947 gegründeten Filmhochschule I.I.E.C. in Madrid. Nach einigen
Kurzfilmen und der Tätigkeit als Kamera- und Regieassistent realisiert
er 1959 seine ersten Spielfilm 'Los Golfos', ein Film über Strassenjungen
in den Vororten Madrids, den er ausserhalb der Studios mit Laiendarstellern
dreht. Saura ist Teil einer jungen Generation von Cineasten, die stark
von den russischen Stummfilmen und dem italienischen Neorealismus beinflusst
sind. Seinen eigenen Stil, eine Mischung aus politischen Anspielungen,
verschlüsselten Metaphern, surrealen Elementen und präziser Beobachtung
menschlicher Verhaltensmuster, findet er in seinem dritten Film La Caza.
Seine nächsten beiden Filme Peppermint Frappé und Stress es tres, tres fangen überdies sehr treffend den Zeitgeist der späten sechziger Jahre ein.1967, bei den Dreharbeiten von Peppermint Frappé, verliebt sich Carlos Saura in Geraldine Chaplin. Aus dieser Begegnung entsteht eine langjährige Zusammenarbeit, der die kleine Reihe im Xenix gewidmet ist. Geraldine Chaplin, die älteste Tochter von Oona und Charles Chaplin, wurde 1944 in Santa Monica, Kalifornien geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Bereits 1952 hatte sie in 'Limelight' als kleines Mädchen ihren ersten Auftritt. Von 1967 bis zur Trennung von Carlos Saura, 1979 spielte sie, ausser in den Filmen von Robert Altman, vor allem in jenen ihres Mannes. Carlos Saura zur Zusammenarbeit mit Geraldine Chaplin: 'Geraldines Beitrag war sehr gross, vor allem bei den Figuren, die sie dargestellt hat. (...) Der Film an dem sie als Drehbuchautorin mitgewirkt hat, war La madriguera. Aber bei den folgenden Filmen hat sie nicht so intensiv an den Drehbüchern mitgearbeitet. (...) Ihr Beitrag begann wirklich erst, wenn sie spielte. Sie hat ihre Rollen mit einer starken Sensibilität versehen, sie hat ihnen etwas hinzugefügt, das vielleicht nicht im Drehbuch stand oder dort unterentwickelt war. (...) Es war ein grosses Glück, dass Geraldine hier in Spanien lebte, um Filme zu machen, denn ich glaube, dass es damals in diesem Land keine Schauspielerin mit der gleichen Begabung und der gleichen Sensibilität gab, zumindest kenne ich keine. Wenn man viele Jahre lang mit jemandem zusammenlebt wie ich mit Geraldine, nimmt man natürlich viel vom anderen auf, und ich glaube, dass sich aufgrund dieses Zusammenlebens vieles für mich geändert hat.' Zur Zeit der Diktatur stellte Carlos Saura eine Herausforderung dar. Er regte zum Bruch mit den Traditionen an, zum Eintreten für die Freiheit, zur Erneuerung und zu einer neuen Sicht der Vergangenheit. Er forderte von seinem Publikum ständig erneute Wachsamkeit und Sensibilität. Die politische Rechte konnte das nicht tolerieren, und ein Teil der Linken fürchtete, es werde Verwirrung stiften und ihrer Sache schaden. Doch Saura entwickelte seinen Stil unbeirrt weiter, gegen die Hindernisse der Zensur und nur unterstützt vom bedingungslosen Enthusiasmus seines Produzenten Elias Querejeta, der seit 'La caza' alle Filme Sauras produziert hat. Die Filmsprache Sauras war für das breite Publikum 'hermetisch'; die Ästhetik Sauras jedoch nur als Spiegel der Zensur zu sehen, wäre unsinnig. Nach dem Tode Francos wurden Sauras Filme nicht etwa aggressiver, und seine Arbeitsweise hat sich nicht wesentlich geändert. Just in jenem Jahr erzielte er mit Cría cuervos seinen bis anhin grössten Erfolg. Cría cuervos ist nicht in erster Linie eine politische Analyse Spaniens, sondern eine poetische Erzählung über die Kindheit, die Freiheit und den Traum. Es kommen darin weiterhin buñuelistische Elemente vor. Auch in den späteren Filmen wird Sauras Stil nicht 'transparent' wie es Kritiker von ihm gewünscht hatten; er führt seine eigene kreative Sehweise fort. Zweifellos ist Saura neben Luis Buñuel und dem jüngeren Pedro Alomodovar eine der kohärentesten Persönlichkeiten, die der spanische Film hervorgebracht hat.
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| Stress es tres, tres / Peppermint Frappé / La madriguera / Cría cuervos / Ana y los lobos / Mama cumple cien años / Los ojos vendados / Elisa, vida mia |