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Carte Blanche an Viktor Sidler Mit seinen Filmkundekursen am Mathematischen Naturwissenschaftlichen Gymnasium Rämibühl und mit seinen Filmvorlesungen an der ETH Zürich hat Viktor Sidler bei manch einem Studenten das Interesse für das Medium Film geweckt. Für viele von ihnen - so auch beim einen oder anderen Xenixler der ersten Stunde - wurde daraus eine Liebesgeschichte, eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Im Xenix-Jubiläumsjahr steht niemandem mehr eine Carte Blanche zu als Viktor Sidler, der durchaus als geistiger Mitbegründer des Xenix bezeichnet werden kann. Bei der Präsentation einer Carte Blanche sieht man sich unversehens auf das eigene Filmverständnis zurückgeworfen: will man sich möglichst bizarre Filmwünsche und Lieblingsfilme erfüllen oder will man vielmehr Filme einbringen von denen man sich wünscht, dass auch andere sie sehen mögen.
Als ein Experiment ist die Vorführung von Erich von Stroheims bitterbösem sarkastischem Stummfilm Foolish Wives (1921) in einer zweistündigen Super-8-Kopie gedacht. Der Film - eine Rarität - wird, musikalisch untermalt, mit einem Kommentar zum Film präsentiert. Ein Film Surprise aus dem Jahre 1968 wird die Fragestellung 'Was ist Film' weiterführen. Film ist auch, was keiner klassischen Filmtheorie und Erzählstruktur entspricht: das Bild an sich in seiner magischen Ausstrahlung, Ruhe und Schönheit. 'Wenn das Kino eine Kunst des Schlafes ist, gibt es nur einen Menschen, der den Schlüssel der Träume besitzt', verkündete Henri Langlois, der einstige Konservator der Cinémathèque Française, in seiner emphatischen Begeisterung für Jean Vigos L'Atalante (1934); ein poetisches Meisterwerk der Filmgeschichte.
Aus Hass auf das Geld, das den Cineasten stets fehle, habe er, behauptete Marcel L'Herbier von sich, den L'Argent (1928) gedreht. Es kostete ein Vermögen, damit das Geld als Produktionswert auf der Leinwand ästhetisch sichtbar würde. Die Verfilmung des gleichnamigen naturalistischen Romans von Emil Zola als deutsch-französiche Grossproduktion, die ein europäisches Hollywood suggerieren sollte, wurde ein brillantes Spätwerk der Stummfilmzeit das in der Handhabung von Dekors, Licht, Kamerabewegungen und Schnitt keine Grenzen mehr zu kennen schien.
Sämtliche Filmtexte sind von Viktor Sidler verfasst worden. Filme in diesem Zyklus: Foolish Wives | Une partie de campagne / Rosalie / Tango | Film Surprise 1 | L'Atalante | L'Argent | The Lady from Shanghai | O Thiassos (Die Wanderschauspieler) |
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